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18.5.2012 : 17:40 : +0200

Zum 20. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer



© Dietmar Riemann

Unstrittig sollte sein, daß die Anziehungskraft Berlins heute nicht die besondere Schönheit der Stadt, ein großartig erhaltener historischer Stadtkern oder ein besonders erfolgreicher Fußballverein ausmacht. Nein, die Außenwirkung der Stadt bezieht sich vor allem auf ihre wechselvolle jüngere Geschichte und den damit verbundenen Begleitumständen.

Vom Ende des Kaiserreichs über die "goldenen" zwanziger Jahre in der Weimarer Republik, in der Zeit der Herrschaft der Nationalsozialisten mit ihrem katastrophalen Ende, sowie danach im geteilten Deutschland -  Berlin war immer die meist wahrgenommene deutsche Metropole.

Dass dabei eine, durch die Stadt oder besser um einen Teil der Stadt gebaute, Mauer eine herausragende Rolle spielte und spielt, mag dann nicht mehr verwundern. Ist die Berliner Mauer doch bis heute das Symbol für die deutsche Teilung, sowie ihr Fall folglich für die Wiedervereinigung Deutschlands. 

Es ist heute nur noch schwer vorstellbar. Eine Mauer, gebaut um zwei Stadthälften voneinander zu isolieren. Verkehrsadern wurden gekappt, Häuser einseitig zugemauert und Grenzanlagen aufgebaut, auf denen Wachposten den Übertritt mit dem Einsatz von Waffen verhinderten. U-Bahnhöfe wurden zugeschüttet, S-Bahn Linien stillgelegt, Straßen versperrt. 1961 wurde von ost-deutscher Seite aus die, in den Jahren zuvor vorgenommene, politische Teilung der Stadt durch eine Mauer manifestiert.

Diese Mauer teilte jedoch nicht nur die Stadt, sondern stand auch für den Kampf der beiden großen politischen Systeme des 20.Jahrhunderts. Durch ihren Fall wurde letztlich der Niedergang des Kommunismus in seinen diversen Spielarten weltweit symbolisiert.

Dabei gehörte die Mauer nach einiger Zeit für die Ost- wie auch West- Berliner durchaus zum Alltag und letztlich zum Stadtbild wie andere Bauten auch. Die unwirklichen Befestigungsanlagen, die Wachposten, den Mauerstreifen und die Aussichtsplattformen auf West-Berliner Seite bekam man auf Ost-Berliner Seite nur in deren unmittelbarer Nähe mit. Durch Radio und Fernsehen war man gut informiert über alles, was auf der anderen Seite vor ging, denn diese Signale waren von einer Mauer nur schwer aufzuhalten.

Kurioser oder auch zynischer Weise wurde das Ganze von der offiziellen ost-deutschen Propaganda als antifaschistischer Schutzwall bezeichnet, also sinngemäß als Verteidigungsanlage gegen Feinde von außen. Die Mauer wurde allerdings von innen weitaus intensiver "angegriffen" als von außen. Der West- Berliner konnte lediglich nicht so einfach mal ins Umland, der Ost- Berliner jedoch nirgendwo hin und so war es nicht verwunderlich, daß die Mauer nicht von der West- sondern von der Ost-Seite aus niedergerissen wurde. Heute ruft die Erinnerung, daß die Stadt einmal durch eine Mauer geteilt war, selbst bei Alteingesessenen nur noch ein verwundertes Kopfschütteln ob ihrer bloßen Existenz hervor, jedoch gibt es auch noch einige Berliner, laut aktueller Umfragen (2008) jeder fünfte und gleich verteilt auf beide ehemaligen Stadthälften, die "ihre" Mauer gern wieder hätten.

Die letzten Reste des Bauwerks sind noch an der Spree zwischen den Bezirken Friedrichshain und Kreuzberg als so genannte Eastside- Gallery zu besichtigen. Bei schönem Wetter strömen dort die Touristen aus den Bussen und machen Fotos von einem ziemlich ramponierten Mauerrest mit bröckelnden Grafitty- Gemälden.