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2/5/2012 : 4:53 pm : +0100




NICHT HIN..S.EH.EN von Johannes Jansen



aus dem Buch NICHT HIN..S.EH.EN erschienen im Berliner Satyr- Verlag

 

TANZ IN FUNKTIONEN / IM SCHATTEN VERBOTENER TRÄUME / BIS DAS EIGENE BEIN / IM WEG STEHT / UND DIE SCHLÄGE / AUS MÖGLICHER RICHTUNG / DAS REICHT / FÜR EIN GRUNDSTÜCK / IM NIEMANDSLAND ...

 

Im Umkreis der Mitte wurde ich geboren, vor der Zeit, in der ich vergaß, was sich wohin gehörte. Auf der anderen Seite der Sprache stand das Wort möglich. Was meine Mutter sprach, war verdeckte Verwirrung, Spionageabwehr in vier Wänden Landschaft. Labyrinth war ich mir selber genug. Anonyme Anrufe verrieten den Fehler in der Konstruktion der Gänge und Grotten.

SIE DENKEN DAS KARUSSELL DREHT SICH VORWÄRTS. SIE HABEN SICH GETÄUSCHT.

Zwischen den Sitzgelegenheiten drängte die Menge. Die Stühle waren leer, Podeste entthronter Heroen. Ich schnitt den Film auseinander und klebte ihn an den entgegengesetzten Enden zusammen. Tage später im Kino ergab sich folgendes Bild:

Eine stille Frau photographierte ihn in ihrem Zimmer, wie er auf dem Zeitungspapier der gestrigen Abendausgabe herumkaute. Wie spät ist es. Kurz vor zehn. Das Radio meldete einen Geisterfahrer. Am liebsten würde er jetzt in der U-Bahn sitzen, aber die Frau begann ihr dunkelblaues Kleid auszuziehen, und er sah, daß sie darunter nackt war und schwarz wie in der Nacht aus Blei und langsam auf ihn zukam. Seine U-Bahnträume hatte er nie aufgeschrieben. Ein Mann, der zwei Finger abgespreizt nach der Haltestange griff, hatte ihn davon abgehalten.

Dann brannte die Lampe ein Loch in das Zelluloid. Langsam wurde es hell im Saal.

... Zwei Wegweiser zeigen in die gleiche Richtung. Wir entfernen uns täglich. Abschiede sind keine Fluchtpunkte, und da ist eine Tür, aber kein Notizblock ist da, kein Bett, keine Nacht. We come from garageland. Wir gehen Rücken an Rücken die gleiche Strecke und zählen die Pfützen zwischen uns, und einer geht rückwärts. Dreh dich nicht um. Kreuzwege sind keine Treffpunkte, Madame. Ein Raster aus bunten Lichtern bis hinter den Horizont ...

Die Farben der Träume habe ich nie erfahren. Sie gingen verloren zweitausend Jahre vor jenen Nächten in öffentlichen Verkehrsmitteln, zwei Uhr morgens am Grillettabuffet Bahnhof Berlin-Schönefeld.

Ich weiß nicht, ob es einen Unterschied gibt zwischen den Hochzeiten. Die Brautpaare habe ich nie gesehen. Ich kam zu spät um zu täuschen, zu früh zwischen den Strichen des Landes.

Mit der S-Bahn aus der Straße neben der Straße an den Felder vorbei. Das Photo zeigt mich auf dem Bahnhof Berlin-Schönefeld.

Ich weiß nicht, ob es einen Unterschied gibt zwischen den Horizonten.

 

Der Text entstand im Zeitraum von April bis November 1985 in Ost-Berlin.

Die Illustrationen im Buch stammen von Antje Kahl.

 

Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors.